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Onkologie Landshut
Mucositis

Mucositis heißt übersetzt Schleimhautentzündung. Schleimhautentzündungen können an unterschiedlichen Stellen des Körpers lokalisiert sein, häufig z. B.  im Mund- und Rachenraum (Stomatitis), im Bereich der Speiseröhre ( Ösophagitis ), im Magen-Darm-Trakt ( Gastroenteritis )  sowie im Bereich der Blase als Zystitis.

Im onkologischen Pflegebereich haben wir an erster Stelle mit der Stomatitis zu tun.

Die Stomatitis entwickelt sich häufig auf dem Boden einer sogenannten Xerostomie ( = Mundtrockenheit ). Patienten mit Xerostomie sind besonders anfällig sind für Schädigung im Bereich der Schleimhäute. Symptome der Xerostomie kennen wir als Mundtrockenheit und als schwerfälliges Sprechen. Die Patienten geben an, die Zunge klebe am Gaumen und der Geschmackssinn nehme ab.

Die Stomatitis selber äußert sich durch schmerzhafte Schwellung im Mund-Rachenbereich. Klinisch bemerkt man im Bereich der Mundhöhle Rötungen und Belege sowie Mundgeruch. Entscheidend beteiligt bei der Stomatitis sind Erreger wie Pilze ( insbesondere Candida ), erkennbar an den weißlichen schwer abwischbaren Belägen im Zungen- und Wangenbereich, Viren ( z. B. Zytomegalie-Virus mit den typischen Mundulcera ) und Bakterien. Stomatiden bei onkologisch-hämatologischen Patienten können vor allem hervorgerufen werden durch die spezifischen Therapien, z. B. durch eine Radiotherapie im HNO-Bereich, durch eine Chemotherapie mit nachfolgendem Pilzbefall und Mundulcerationen sowie durch orale Infektionen, die zudem durch die Chemotherapie hervorgerufene Immunschwäche gefördert werden. Zusätzlich spielen auch eine verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ( z. B. bei chemo- oder radiatiobedingter Übelkeit ), eine verminderte  Speichelproduktion ( Zustand nach Radiatio ) sowie eine therapiebedingte verminderte Zellerneuerung und Zellatrophie der basalen oralen Mucosa eine Rolle. Besonders häufig tritt eine Mucositis nach toxischen Protokollen auf, insbesondere nach einer Knochenmarkstransplantation. Aber auch in der Praxis sehen wir eine Mucositis häufig nach aggressiven adjuvanten Protokollen wie FEC, PLF oder ECF oder aber bei kombinierter Radio-Chemotherapie im Hals-Nasen-Ohrenbereich.

Das gleiche trifft auf die Ösophagitis zu, die insbesondere während der Therapie des Ösophaguskarzinoms oder des Bronchialkarzinoms bei einer Kombinationstherapie von 5 FU/Cisplatin und Strahlentherapie auftreten.

Ziel der Behandlung einer Stomatitis / Ösophagitis  ist es, dem Patienten möglichst  Schmerzen zu nehmen,  ihm eine orale antibakterielle Besiedelung der Schleimhäute zu verringern und dem Patienten einen oralen Kostaufbau zu ermöglichen. Lokal wirkende Schmerzmittel sind z. B. Lidocain- oder Xylocain-Lösung, lidocainhaltige Gels oder Salben als auch spezielle Mundspüllösungen. Die in unserer Praxis zurzeit gebräuchliche Mundspüllösung, die eine niedrige Dosis von Morphin enthält, ist als Beispiel abgedruckt.

- Hydocortisonac 0,5 ml
- Tetracain-HCL 1,0 ml
- Dexapanthenoliös. 5 %  20,0 ml
- gereinigtes Wasser 57,4 ml
- Proppylenglykol 15,0 ml
- Kamillosan Konzentrat 2,0 ml
- Hexetidin-Lösung 0,1 %  4,0 ml

Wundheilungsfördernd sind Gels wie Actihämyl Gel. Zusätzlich sollte noch bei Pilzbefall Präparate wie Amphomoronal oder Nystatin Lösung eingesetzt werden. Pflegerisch kann die Abheilung einer Stomatitis weiterhin unterstützt werden durch das regelmäßige Spülen mit Kamillen-, Malven- oder Salbeitees sowie desinfizierenden Mundspülmittel wie Chlorhexidin oder Polyvidon-Jod-Lösung. Einige Substanzen wie Wasserstoffperoxid 3 % oder Natriumbicarbonat sollten nur in Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst angewandt werden.
Mundtrockenheit lässt sich durch Kaugummikauen, saure Bonbons, Dörrobst oder Zitrusfrüchte bessern. Sehr günstig haben sich auch säurehaltige Tees ( Früchte-, Malven-, Hagebutten-, Hibiskustee ) erwiesen.

Auf keinen Fall sollten Zitronenstäbchen angewandt werden, da sie die Mundtrockenheit noch verstärken.

Stattdessen empfehlen wir das Austupfen des Mundes mit Watteträgern, die mit Zitronenwasser getränkt sind.

Bei borkig belegter Zunge hat sich die Gabe von Bepanthen Lösung als günstig erwiesen.

Künstlicher Speichel ( Glandosane ) steht ebenfalls zur Verfügung, wird aber von vielen Patienten nicht toleriert und hält zudem nicht lange vor. Von den Patienten wird  als sehr angenehm das Lutschen von Eiswürfeln empfunden, die durchaus aus gefrorenem Bier oder Fruchtsaft bestehen dürfen.

Bei starken Belägen können zerkleinerte Vitamin C Brausetabletten das Ablösen der Borken deutlich erleichtern. Hierzu muss aber wegen der zu erwartenden Schaumbildung der Patient wach und orientiert sein, da sonst deutliche Aspirationsgefahr besteht.

Bei dem von den Patienten und seiner Umgebung oft sehr belastenden Mundgeruch kann ein Versuch mit Salbeitee, Zitronenwasser, Odol oder Kamillosan bzw. Betaisadonalösung  oder Clont unternommen werden. Neben allen medikamentösen Möglichkeiten stellt eine gute Mundpflege die Grundlage jeder Therapie dar.

Auch Mundwinkelrhagaden gehören frühzeitig behandelt, da sie Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen. Hier sollte dem Patienten die regelmäßige Anwendung von Bepanthensalbe empfohlen werden.