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Onkologie Landshut
Alternative und komplementäre Therapiemaßnahmen

In der Therapie krebskranker Menscher erfährt die Schulmedizin, trotz der durch sie erreichten Erfolge, bezüglich Lebensqualität, Überleben, Palliativ- und Supportivmedizin immer wieder große Kritik. Hier stehen vor allem die durch die schulmedizinischen Therapien hervorgerufenen Nebenwirkungen im Vordergrund. Die natürliche Angst des Patienten wird durch die von Medien aufgegriffenen Horrorgeschichten weiter geschürt und verbreitet. Zudem besteht der verständliche Wunsch des Krebskranken und seiner Angehörigen und Freunde selber etwas für sich zu tun, um seine manchmal aussichtslose Lage zu verbessern. Diese Suche nach Hoffnung – in einer häufig aussichtslosen, verzweifelten Situation – gibt der Alternativmedizin genügend Raum sich zu etablieren.

Alternativ ist vom lateinischen Wort „alter“ abgeleitet, das hier die Bedeutung von „verschieden“ hat. Das bedeutet, dass die sogenannten alternativen Behandlungsangebote verschieden zu denen der sogenannten Schulmedizin sind. Im Gegensatz zu der Schulmedizin liegen für die alternativen Behandlungsangebote in der Regel keine Ergebnisse von nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Behandlungsstudien vor. Die Wirksamkeit der alternativen Behandlungsangebote soll dagegen häufig durch zahlreiche Fallbeispiele oder vergleichende Untersuchungen an nur wenigen Personen belegt werden, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten, oder auch auf den Verweis auf jahrtausendlanger Erfahrung, die vor allem für fernöstliche Therapien in Anspruch genommen wird. Der Goldstandard ( der als bester anerkannte Standard ) für den Wirksamkeitsnachweis der schulmedizinischen Therapien ist die „prospektive, randomisierte Behandlungsstudie“, bei der nach genauer Festlegung eines Prüfplanes eine ausreichend große Anzahl von Personen zufällig den zu überprüfenden Behandlungen zugeteilt wird und die Ergebnisse dann miteinander verglichen werden. Bei der Planung einer solchen Studie müssen international anerkannte strenge Regeln eingehalten werden. ( z. B. Good Clinical Practice, Deklaration von Helsinki ) und die Genehmigung zur Durchführung der Studie von einer „Ethikkommission“ eingeholt werden.

Neben der Alternativmedizin finden wir den Begriff der komplementären Medizin.

Komplementär ist vom lateinischem Wort „complementum“ = Ergänzung abgeleitet und bedeutet ergänzend zu schulmedizinischen Behandlungen. Komplementäre Maßnahmen werden bei einem großen Teil, von mehr als der Hälfte der Patientinnen, angewandt. Die wichtigsten Gründe für die Patientinnen, sich für die alternative und komplementäre Methoden zu entscheiden, sind nach W. F. Jungi der verständliche Wunsch, den eigenen Beitrag bei der Behandlung zu leisten, zusätzlich zur Schulmedizin alles zu versuchen, mit „unschädlichen“, „natürlichen“ Mitteln die Abwehr zu stärken, die Nebenwirkungen der Schulmedizin zu mildern, die körpereigene Abwehr zu stärken. Dabei spielen die vorhandene Angst des Erkrankten, von den Herstellern/Vertreibern der Präparate und Massenmedien geweckten Hoffnungen und Wunderglauben eine wichtige Rolle. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass selbst im Falle nachgewiesener Wirksamkeit auf gewisse Laborwerte noch nicht ausreichend der Nutzen für die Patienten selbst belegt ist.

Beide Methoden, die alternative und die komplementäre Medizin, werden unter dem Begriff CAM ( complementary and alternative medicine ) zusammengefasst. Ein weit verbreiterter Irrtum besteht darin, dass alle alternativen und komplementären Therapien keine oder nur geringe Nebenwirkungen besitzen sollen.

Zu den komplementären Verfahren zählen:

z.B. Massagetechniken, psychotherapeutische Verfahren wie auch Hypnose Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken, Musiktherapie, Akupunktur, Vitamine und Spurenelemente teilweise in hochdosierter Form Nahrungsergänzungsmittel sowie Physiotherapie als eigentlich schulmedizinische Methode. (Zitat: Cancel Journal CIM clean 2/05, 55,109-160 G.Deng und B.Cassileth) Den Verfahren der komplementären Medizin ist gemeinsam, dass ein Nutzen statistisch oft nicht eindeutig belegt werden konnte, aber in Studien geprüft wird und Förderung der Lebensqualität des Patienten im Fordergrund steht. Heilungsansprüche bestehen bei den Verfahren der Komplementären Medizin nicht. Sobald sie für eines der genannten Verfahren in Anspruch genommen wird, wird der Boden der Komplementären Medizin verlassen und das Verfahren als alternative Heilmethode genutzt.

Um die Alternativmedizin zu verstehen und die uns anvertrauten Patienten darüber adäquat informieren und beraten zu können, müssen wir uns ein wenig mit Wortkunde sowie mit Magie und Mystik beschäftigen. Viele alternative Therapiemaßnahmen benutzen das Wort „ Natur“ (natürlich heilen, Naturheilkunde) und legen damit ein altes medizinisches Sprichwort: „natura sanat, medicus curat“ zugrunde. Unter dem positiven Aspekt Natur, insbesondere im Zusammenhang mit heilen - wird dem Patienten ein falsches Bild, nämlich das Bild eines natürlich heilenden Prozesses (ohne Nebenwirkungen) vorgegaukelt. Der grausame, verletzende Aspekt der Natur – die natura violans – wird sorgfältig unter den Tisch gekehrt.

Verfolgt man die Werbekampagnen alternativer Heilmethoden, werden diese häufig im Zusammenhang mit Naturbildern dargestellt, z. B. ein Bio-Resonanzgerät im blühenden Kornfeld, eine glücklich vereinte Familie im Grünen mit der Unterschrift „Iscador®“. Genau um diese Sichtweise der Natur schließt sich Magie und Mystik an; die wie wir sehen werden, grundsätzliche Säulen der alternativen Therapiemaßnahmen darstellen. Magisches Denken kommt, im Gegensatz zu logischem Denken, dem Krebskranken in seiner verzweifelten Situation zu Gute.

Logisches Denken würde heißen, die Krebskrankheit und deren Verlauf zu akzeptieren, sie bis zu ihrem bitteren Ende zu durchdenken.

Magisches Denken dagegen gibt dem Kranken die Möglichkeit, der Gewissheit zu entrinnen, denn wie der amerikanische Kulturanthropologe Malinowski treffend beschreibt: – „entspricht Magie einer Wunschvorstellung; sie ist ein irrationaler, symbolischer Versuch, unkontrollierbare Vorgänge zu beeinflussen.“ Hiermit ist das Ziel vieler alternativer Therapiemaßnahmen treffend geschildert.

Der magisch / mystische Aspekt medizinischen Handelns zieht sich durch die gesamte Medizingeschichte und erfährt in der heutigen Alternativmedizin einen neuen Höhepunkt.

Zwei Prinzipien lassen sich hier nachvollziehen:
1. Teil eines Ganzen
2. Gleiches bewirkt Gleiches


Veranschaulichen wir dieses an zwei Beispielen:
Irisdiagnostik – Prinzip: Teil eines Ganzen;
Misteltherapie – Prinzip: Gleiches bewirkt Gleiches (Mistel ist ein Schmarotzer / Krebs ist ein Schmarotzer – daraus folgt: Mistel heilt Krebs).


Unter Berücksichtigung der magischen Denkweise, ist es nicht verwunderlich, dass Erhebungen in der verschiedensten Regionen der westlichen Welt eindeutig darauf hinweisen, dass etwa 50 % der Patienten im Laufe einer Tumorerkrankung auch nichtschulmedizinische Behandlungsmethoden anwenden.

Der konsultierte Arzt sieht sich der Erwartung gegenüber, der kommunikativen Begleitung, die immer nötig ist, eine stofflich-pharmakologisch vermittelte Therapie zur Seite zu stellen. Hier unterscheiden sich sog. Alternativmediziner nicht von schulmedizinisch ausgerichteten Ärzten. Erstere nehmen allerdings für sich in Anspruch, in keinem Falle zu schaden, wozu kritische Anmerkungen zu machen sind.

Die Alternativmedizin steht auf dem Standpunkt, eine am Einzelpatienten beobachtete Wirkung, gleich welchen Ursprungs, rechtfertige ein bestimmtes Behandlungsverfahren wie auch bei der Schulmedizin. Sie argumentieren, der Maßstab ihres Handelns sei individuell zu sehen, ergebe sich aus ihrer persönlichen Erfahrung und aus der subjektiven Verbesserung der Befindlichkeit, nach der Definition der WHO für Gesundheit und Krankheit. Umso wichtiger für den objektiven Therapieerfolg sind daher statistisch-empirische Studienergebnisse, auf die sich allerdings nur die Schulmedizin stützen kann. Häufig stellt sich dem Onkologen die Frage, welche Möglichkeiten zu den üblichen Behandlungsverfahren sich verbessernd auf den Gesundheitszustand, die Stimulation der endogenen Tumorabwehr oder auf die Kontrollfunktionen des Immunsystems auswirken können.

Diese Frage kann nicht auf rationaler Basis beantwortet werden. Da keine derartigen Möglichkeiten existieren, bewegen sich spezielle Empfehlungen meist im Spekulativen.

Der Wunsch eines Patienten nach einem alternativen Therapieverfahren sollte stets ernst genommen werden, da bei alternativen Therapiemaßnahmen durchaus mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Das ist im Bereich der alternativen Therapiemaßnahmen, die häufig nur eine sehr fragliche Wirksamkeit aufweisen, von besonderer Bedeutung, da nur dann das Auftreten von Nebenwirkungen grundsätzlich akzeptabel ist, wenn eine sichere Wirksamkeit eines Präparates unterstellt werden kann. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (1995) zum Thema „Moderne Krebsbehandlung: Wissenschaftlich begründete Verfahren und Methoden mit unbewiesener Wirksamkeit“ findet sich folgender Warnhinweis: „Unsere noch ungenügenden Kenntnisse über die verschiedenen Abwehrmechanismen sollten den Ärzten größte Zurückhaltung in der unkritischen Anwendung von Verfahren zur „Abwehrsteigerung“ auferlegen. Eingriffe in das Immunsystem können für den Patienten nicht nur günstig, sondern auch schädigend sein.“

Ein gemeinsames Positionspapier (1995) derselben drei Gesellschaften enthält folgende Formulierung: „Erwiesene Erkenntnisse über die effektive Behandlung mit einer „Immuntherapie“ liegen derzeit nicht vor. Argumente wie „es könnte ja doch sein ...“ genügen nicht den Ansprüchen an eine gezielte Indikationsstellung ebenso wenig wie eine bloße Typisierung von Lymphozyten, wenn keine klinischen Effekte nachweisbar sind.“

Entsprechend der „Onkologie-Vereinbarung“ (Neufassung 1995) zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen sind die Aufgaben des „onkologisch verantwortlichen“ Arztes folgendermaßen definiert: Es soll gesichert werden, dass krebskranke Patienten nach wissenschaftlich anerkannten, dem jeweiligen Stand der medizinischen Entwicklung entsprechenden Diagnose- und Therapieplänen versorgt werden. Bei dieser Formulierung bleibt wenig Spielraum für private alternative Experimente. Auch der Vorstand und der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer haben eindeutig Stellung bezogen. In dem von diesem Gremium herausgegebenen „Memorandum zur Arzneibehandlung im Rahmen besonderer Therapierichtungen“ (2. überarbeitete Auflage, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 1993) schließt das Kapitel „Onkologischer Bereich“ mit folgendem Absatz: „Alle zur Krebstherapie verwendeten Medikamente müssen dem Internationalen Standard entsprechend geprüft werden, in erster Linie zum Schutz des Patienten, aber auch zum Schutz der Öffentlichkeit vor Missbrauch und Betrug. Sollten hier – mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung sowie politische und wirtschaftliche Argumente – Konzessionen gemacht werden, dann wird unklar, wo neue Grenzen gesetzt bzw. welche rationalen Kriterien überhaupt noch angewendet werden könnten.“

Diese Stellungnahme wird unterstrichen durch das Urteil des 1. Senates des Bundessozialgerichtes (05. Juni 1995, Az.: 1 RK 6 95), in dem die 5. Novelle des Sozialgesetzbuches (SGB V) folgendermaßen interpretiert wird: „§ 2 Abs. 1 Satz 3 SGB V ist somit dahin auszulegen, dass auch solche Behandlungsmethoden der Vorschrift entsprechen, die zwar noch nicht die Anerkennung des Bundesausschusses der Ärzte und der Krankenkassen haben, für deren Anwendung aber der Nachweis der Wirksamkeit in einer statistisch relevanten Zahl von Fällen spricht und gegen die auch hinsichtlich der Qualität, z.B. der damit verbundenen Nebenwirkungen, im Hinblick auf die damit erbrachten Behandlungserfolge keine durchgreifenden Bedenken bestehen“. Das Gericht geht also davon aus, dass als Voraussetzung für die Anwendung irgendeines Behandlungsverfahrens außerhalb innovativer kontrollierter Studien statistisch relevante Zahlen über die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit der Methode vorgelegt werden müssen.

Ein weiterer, wesentlicher Gesichtspunkt sind die Kosten der alternativen / komplementären Therapiemaßnahmen, die in der Regel nicht von den Krankenkassen getragen werden. Pfeiffer & Co. schlagen in ihrem Lehrbuch

„Onkologie / Konventionelle und komplementäre Verfahren“ eine Kostenbewertung vor, die in die Gesamtbewertung eines komplementären Medikamentes einbezogen werden sollte.


Die Kostenbewertung wird in drei Gruppen eingeteilt.
Nämlich: - weniger als 50.- € pro Monat
- zwischen 50.- und 250.- € pro Monat
- und mehr als 250.- € pro Monat.

Es ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass viele Patienten befürchten, kürzer leben zu müssen, weil sie die Kosten für eine alternative Therapie nicht aufbringen können.

Deshalb muss das vorrangige Ziel des Onkologen sein, den Patienten soweit über eine mögliche, alternative Therapie aufzuklären, dass dieser die Therapie selbst einschätzen und auch ohne Gewissensbisse ablehnen oder beenden kann. Nur so wird es, wenn überhaupt, möglich sein den Patienten von seinem Vorhaben abzubringen.

Ein besonderes Problem in unserer Informationsgesellschaft ist, dass jeder sehr leicht Zugang hat zu allerlei Publikationen in Printmedien, Funk und Fernsehen sowie über das Internet. Oft sind diese „Informationen“ unkritisch und wenig objektiv. Sie bieten offene oder versteckte Werbung für eine bestimmte Methode, ohne jedoch einen plausiblen medizinischen Hintergrund dafür zu liefern, geschweige denn einen Nachweis für eine Wirksamkeit und noch weniger für den des Nutzens für den Patienten. Wer lange genug aggressiv wirbt, kann jedes Produkt zum Verkaufsschlager machen (vergleiche: Zigarettenwerbung!).

Dies trifft z. B. für vielfach angebotene „endgültig heilende Methoden“ in der adjuvanten Situation zu. Patienten geraten nach lokal saniertem Tumorleiden immer wieder an Wunderheiler, die im Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit ihre Verfahren anbieten. Die Patienten müssen dann ihre Ängste und Befürchtungen vor einem ungünstigen oder rezidivierenden Krankheitsverlauf teuer bezahlen. Oft fehlen vertragliche Regelungen über den endgültigen Kostenaufwand. Hier muss der Patient immer nachhaltig beraten werden. Das generelle Problem, dass jeder behandelnde Arzt bei ungünstiger Prognosekonstellation nach sanierender Primärtherapie unter erheblichen Handlungsdruck gerät, darf nicht dazu führen, „adjuvante“ Therapien durchzuführen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Noch ausgeprägter ist oft das von Patienten und/oder Angehörigen ausgehende Behandlungsverlangen in der palliativen Situation. Tendenziell ergibt sich daraus ein Ausweichen auf häufige Verlaufskontrollen, die keine Konsequenzen haben, und Therapien ohne vorhersagbare oder gesicherte Wirkung. Aus dem ärztlichen Selbstverständnis heraus ist es jedoch eindeutig, dass jeder Arzt für jede medizinische Handlung auch eine medizinische Indikation nachweisen muss. Im Gegensatz dazu ist in der Gesellschaft die Grundhaltung weit verbreitet, dass alles machbar ist. Aufgabe des beratenden Onkologen ist es, einseitige oder unvollständige Informationen zu korrigieren, zurechtzurücken und zu ergänzen.

Allgemein lässt sich feststellen: je gefestigter das Vertrauensverhältnis zwischen behandelndem Arzt einerseits und Patient und Angehörigen andererseits ist, umso weniger werden selbsternannte Wunderheiler gefragt sein. Dabei spielen auch Zusammenarbeit und Absprache des Onkologen mit dem Hausarzt des Patienten als seinem persönlichen Berater eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Heilungsanspruch?
Im Zusammenhang mit den unkonventionellen Verfahren wird oft von „alternativen Heilmethoden“ gesprochen. Das in dieser Nomenklatur integrierte Wort der „Heilung“ dürfte jedoch in diesem Zusammenhang nicht benutzt werden, da es keinerlei Anhaltspunkte und erst recht keinen Nachweis darüber gibt, dass durch diese Verfahren eine Heilung von Tumorkranken erreicht werden könnte.

In einer prospektiv angelegten Studie wurden in Skandinavien Patienten fünf Jahre lang beobachtet (Risberg, T., Lund, E., Wist, E., Kaasa, S., Wilsgaard, T.: Cancer patients use of unproven therapy – A 5-year follow-up study. J. Clin. Oncol. 16 (1998) 6-12). Es wurden zwei Gruppen gebildet: Die eine gab an, unkonventionelle Methoden in Anspruch zu nehmen („User“), die andere Gruppe verneinte dies („Non-User“). Die Überlebenskurven beider Gruppen waren identisch .

Wenn durch den Einsatz unkonventioneller Verfahren zusätzliche Heilungen erreicht würden, müssten sich die Überlebenskurven unterscheiden. Durch diese Arbeit wird auch einem anderen Vorurteil entgegengetreten, nämlich der Annahme, daß der Weg in die Hände sogenannter Alternativer häufig im Sinne des letzten Strohhalmes zu verstehen sei, an den sich die Patienten klammern wollen. Von den 252 auf den Fragebogen antwortenden Patienten waren knapp die Hälfte „User“. Die meisten (38%) hatten bereits im ersten Jahr nach der Diagnosestellung damit begonnen, nach 2 Jahren waren es 40% und bis zum fünften Jahr stieg die Anzahl nur noch sehr wenig an, bis schließlich 42% aller Befragten die Antwort gaben, unkonventionelle Verfahren in Anspruch genommen zu haben.

Stellungnahmen von Fachgremien

Im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft hat eine Expertenkommission Informationen über nichtschulmedizinische Verfahren in einem Buch über „Krebsmedikamente mit fraglicher Wirksamkeit“ gesammelt und kritisch analysiert (Aktuelle Onkologie, Band 49, Zuckschwerdt-Verlag München, 1989). Im Auftrag der Schweizer Gesellschaft für Onkologie und der Schweizer Krebsliga gibt die Studiengruppe über Methoden mit unbewiesener Wirkung in der Onkologie (S. P. Hauser et al.) eine in lockerer Folge erscheinende Reihe mit Beurteilungen dieser Medikamente bzw. Verfahren heraus. Laienverständliche Zusammenfassungen stehen als Orientierungshilfe von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Schweizerischen Krebsliga zur Verfügung: „Alternative Behandlungsmethoden“ Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Hanauer Landstr. 194, 60314 Frankfurt; „Komplementärmedizin, Möglichkeiten, Grenzen, Risiken“ Schweizerische Krebsliga, Effingerstraße 40, CH-3001 Bern.

2005 erschien von der Stiftung Warentest das Buch „Die andere Medizin – Alternative Heilmethoden für Sie bewertet“. In diesem, für den Patienten sehr lesenswerten Buch, wird insbesondere auf Nebenwirkungen und Nutzen alternativer Heilmethoden eingegangen. Ein Abschnitt befasst sich insbesondere mit der Darstellung der Alternativtherapie in den Medien.

Aufgrund seiner Aktualität möchten wir ihn an dieser Stelle zitieren:

An der Grenze zum Betrug

Eine unkritische oder sogar positiv gefärbte Berichterstattung in Presse, Rundfunk und Fernsehen vergrößert den Bekanntheitsgrad unkonventioneller Verfahren. Zusätzlich treten manche ihrer Befürworter persönlich in den Medien auf. Prominente lassen sich einspannen, um die Vorteile und Erfolge eines Verfahrens darzustellen – manchmal sogar dann, wenn sie das Mittel an sich selbst gar nicht ausprobiert haben. Die Risiken und Grenzen dieser Methoden bleiben meist unberücksichtigt. Es gab sogar Fälle, in denen bekannte Gefahren verschleiert oder gar verschwiegen wurden.

Manche Wunderheiler schmücken sich mit unechten Professortiteln, und Gesellschaften mit klingenden Namen wie „ Forschungsinstitut für…“ erwecken den ungerechtfertigten Eindruck, es handele sich um wissenschaftliche Einrichtungen.

An solche Probleme, die nicht für die seriösen Anbieter der komplementären Methoden gelten, gibt es nicht nur im Bereich der „anderen Medizin“. Da dieses Feld aber deutlich weniger geregelt und kontrolliert ist als die konventionelle Medizin, fallen Aktivitäten am Rande der Legalität – wenn überhaupt – erst spät auf und sind schwerer nachzuweisen und zu verfolgen. Leidtragende sind die Patienten, die gesundheitlichen Schaden nehmen oder zumindest mit erheblichen finanziellen Lasten rechnen müssen.

Besonders bedenklich, ist, dass selbst wissenschaftlich ausgebildete Kollegen Alternativ- und Komplementärmedizin in großem Stil betreiben. Dies geschieht zum einen durch Anwendung ( Igel-Leistung ) und Verkauf in eigener Praxis oder aber durch enge Zusammenarbeit mit einem schwerpunktmäßigen alternativ tätigen Arzt. Da aber davon ausgegangen werden kann, dass jeder Mediziner ein wissenschaftliches Studium durchlaufen hat und sich dadurch sehr wohl über die Fragwürdigkeit der Alternativ-/Komplementärmedizin im Klaren sein muss, bleiben nur kommerzielle Gründe für diese Handlungsweise übrig. Dr. jur. Wolf Wimmer, der lange als vorsitzender Richter einer Strafkammer am Landgericht Mannheim tätig war, nimmt wie folgt hierzu Stellung: „ Auf Schwindel hinauslaufende Heilverfahren dürften jedoch eher bei Laienhelfern zu finden sein, als bei Ärzten, denen man schließlich den animus curandi – und nicht bloß lucrifaciendi – unterstellen darf. Ein Arzt allerdings, der weiß oder in Kauf nimmt, dass eine Methode nicht nur wirkungslos, sondern auch schädlich ist, und sie trotzdem anwendet, um sich zu bereichern, begeht nur noch Betrug, und zwar in seiner schäbigsten Form, Betrug am leidenden und deshalb opferbereiten Mitmenschen.“

Im Folgenden werden einige häufige Beispiele von Therapiemaßnahmen sowohl aus dem alternativen als auch komplementären Bereich angesprochen.


Vitamine und Antioxidanzien
Während der positive Einfluss von Lebensstilfaktoren wie ausreichende Bewegung, meiden einer Gewichtszunahme nach Erstbehandlung eines Mammakarzinoms, vitaminreiche Ernährung seit kurzem belegt wurde, ist der Einsatz von Antioxidanzien insbesondere neben einer Chemo- oder Strahlentherapie weiterhin umstritten. Hierzu ist eine kürzliche Zusammenfassung im Journal of oncology erschienen, die die derzeitige Studienlage ausführlich darstellt. Es bestehen theoretische Bedenken, dass die Gabe von Antioxidanzien auf Grund der Minderung freier Radikale die Wirksamkeit der Chemotherapie herabsetzten könnte, der klinische Nachweis einer derartigen Interaktion liegt bisher nicht vor. Zurzeit wird von Ökotrophologen diskutiert, ob die regelmäßige Einnahme von Zink, Selen, etc. auf Dauer die normale Resorption anderer Stoffe behindert. Es liegen Hinweise dafür vor, dass eine Selensupplementation eine Hämato- und Nephrotoxizität cisplatinhaltiger Chemotherapieschemata senken könnte, ein Effekt auf die Überlebenszeit wurde aber nicht gefunden. Eine verlässliche Beurteilung der Studienarbeitlage ist derzeit nicht möglich, insbesondere da auch Zusammensetzung, Dosen, Timing und Dauer der Supplementation in den Studien sich sehr unterschieden.


Phytotherapie
Es entspricht der allgemeinen Auffassung, das Phytotherapeutika im Gegensatz zu synthetisch erzeugten Substanzen als unschädlich angesehen werden dürfen und keine ernsthaften Nebenwirkungen nach sich ziehen. Diese Vorstellung ist leider grundsätzlich falsch. Pflanzliche Tees können mit Schwermetallen kontaminiert sein. PCSpes, das zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt wurde, wurde in China hergestellt und enthielt u. a. Diethylstilbistrol und Coumadin , außerdem wurden Anstiege von Leberwerten nach chinesischem Tee beschrieben. Phytotherapeutika interagieren mit dem hepatischen Zytochrom P450 und damit der Metabolisierung von Medikamenten. Die Spiegel von Zytostatika können erhöht werden durch Phytotherapeutika die P450 inhibieren, z.B. Traubenkernextrakt, Ginseng, Quercetin, Baldrian, Grapefruit, Echinacea und einige chinesische Tees. Auf der anderen Seite können Induktoren des P450 Zytochroms wie Kava-Kava und Johanniskraut die Spiegel von anderen Medikamenten signifikant senken, ein besonders gut untersuchtes Beispiel hierzu ist die verminderte CPT 11. Bei dem Einsatz phytotherapeutischer Medikamente ist deshalb nicht nur eine Qualitätskontrolle der eingesetzten Präparationen zwingend, sondern auch eine genaue Prüfung inwieweit die Wirksamkeit anderer Medikamente durch diese Präparation beeinflusst werden kann bzw. inwieweit überhaupt Daten zu möglichen Indikationen, z.B. im Rahmen der chinesischen Medizin überhaupt untersucht sind. Während daher der Einsatz medikamentöser Behandlungsverfahren wie Vitamine und Phytotherapeutika dementsprechend grundsätzlich im Rahmen der komplementären Medizin durchaus sinnvoll sein kann und erste Studien Hinweise auf mögliche Wirksamkeit liefern, bergen sie grundsätzlich auch immer die Gefahr negativer Interaktionen mit den gleichzeitig eingesetzten schulmedizinischen Methoden. Diese Gefahren bergen therapeutische Ansätze, die versuchen Krankheitsbewältigung und Wohlbefinden durch Entspannungs-, Massagetechniken oder psychologische Interventionen zu verbessern, grundsätzlich nicht. Eine unterstützende Wirkung dieser Behandlungsmethoden bei der Behandlung induzierter Nebenwirkung wie Übelkeit oder Tumor bedingte Symptome, wie z.B. Schmerzsymptomatik sowie hinsichtlich des Tumorwachstums vermutlich günstige Beeinflussung des Immunsystems mit Senkung der Serumspiegel von Entzündungsmediatoren ist in Studien belegt. Verlässliche Daten, die eine Verbesserung der Krankheitsprognose und Verlängerung der Überlebenszeit belegen, bestehen allerdings derzeit für keines dieser Verfahren. Alle der oben genannten Verfahren werden derzeit zunehmend in Studien in Europa und den USA geprüft, eine Literaturübersicht ist am Ende dieses Kapitels finden.

Nebenbei sei erwähnt, dass die Grundlage aller klassischen Giftmorde Phytotherapeutika bilden.


„Krebs-Diäten“
Erst kürzlich hat die Amerikanische Krebsgesellschaft die Frage der „Krebsbehandlung“ mit diätetischen Maßnahmen bearbeitet. Sie kommt zu der Empfehlung, dass „diätetische Krebs-Behandlungs-Kuren“ vermieden werden sollen. Für keine der genannten Methoden liegen klinische Untersuchungen vor, die deren Wertigkeit stützen könnten. Einige der Diäten sind vom Nahrungsangebot inadäquat. Manche verwenden möglicherweise toxische Megadosen von Vitaminen und anderen Substanzen. Die folgenden 7 fraglichen Methoden wurden mit Blick auf diese Fragen von der Amerikanischen Krebsgesellschaft genau analysiert (CA-Cancer J. Clin. 43 (1993) 309-319):
– Vitamin C (nach Pauling und anderen)
– Indianische Teepräparationen (aus der Rinde von Tabebuja-Hölzern)
– Kräuterbehandlung (extern und intern, nach Hoxsey)
– Makrobiotische Diäten
– Gerson-Diät
– Metabolische Therapie nach Kelley
– Metabolische Therapie nach Manner


Bio-Resonanztherapie
In den letzten Jahren hat in Deutschland die Bioresonanztherapie oder auch bio- kybernetischen Medizin sowohl in der Diagnostik wie auch als Therapieverfahren einen großen Aufschwung erzielt. Das Verfahren, welches 1977 erstmals von dem Arzt Franz Morell beschrieben wurde, beruht auf einer Therapie mit patienteneigenen Schwingungen. Negative, vom Patienten ausgehende Schwingungen, sollen vom Bioresonanzgerät gelöscht, schwach positive gestärkt werden. Nimmt man zur Therapie noch externe, natürliche Schwingungen hinzu, spricht man von Multi-Resonanztherapie. Krankmachende, vom Patienten ausgehende Schwingungen werden vom Gerät aufgenommen, gedreht, gelöscht oder je nach Bedarf mit natürlichen Fremdschwingungen versetzt und so als positive Schwingungen in den Patienten zurückgeführt.

Folgende Indikationen bestehen für den Einsatz von Bioresonanz- Geräten, die auch bei Tieren anwendbar ist:
1. Diagnostik
2. Therapie von Immunstörungen
3. Nebenwirkungen von Tumortherapien
4. Toxische Belastungen
5. Begleitbehandlung bei Tumoren aller Art
6. Prä- und postoperative Behandlung
7. Akute und chronische Schmerzzustände infolge von Tumorerkrankungen
8. Narbenstörfelder
9. Partnerproblem

Interessanterweise gibt es keine spezielle Ausbildung zum Bio-Resonanztherapeuten, das erforderliche Wissen wird durch die gerätevertreibende Firma vermittelt.
Für die Bio-Resonanztherapie liegen keinerlei wissenschaftliche Studienergebnisse, bezüglich der angeführten Indikationen vor. Die Therapiekosten liegen über 250.- € pro Monat.


Homöopathie
Der Wirkungsanspruch der Homöopathie lässt sich bereits vom Namen „homoios“ = gleichartig, ähnlich herleiten und ist ein typisches Beispiel für das magische Prinzip „Gleiches bewirkt Gleiches“.

Die eingesetzten Medikamente sollen beim gesunden Menschen nämlich ähnliche Symptome hervorrufen wie die zu behandelnden Erkrankungen, gegen die sie eingesetzt werden.

Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann (1755 – 1843) gibt oben genanntes magisches Prinzip, wörtlich als Begründung seiner Therapie wieder: „ Similia, similibus curentur: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.“

Nachdem die Homöopathie um 1990 eine Blüte in den USA erlebt hatte, ebbte sie dort wieder ab, nahm dafür aber vor allem in den europäischen Ländern an Bedeutung zu. In Deutschland zählt sie heute zu den am meisten eingesetzten komplementären Verfahren. Neben den durch die Ähnlichkeitstheorie gewonnenen Arzneimittelbildern, beruht die Homöopathie auf der Herstellung von Potenzen, d. h. stark verdünnten Lösungen in denen bei entsprechend hoher Potenz jenseits der Loschmidt`schen Zahl, kein Molekül des ursprünglichen Wirkstoffes enthalten sein kann. Dieses Vorgehen, das dem magischen Prinzip „Teil eines Ganzen“ entspricht, geht davon aus, dass die Wirkung des homöopathischen Mittels nicht auf der Arzneisubstanz beruht, sondern das das Lösungsmittel die Information der Substanz weiter trägt. Gefährlich in der Anwendung homöopathischen Mittel ist, dass die Homöopathen die so genannte „Erstverschlimmerung“ (die etwa bei jedem 5. Behandelten während der Therapie auftritt), als positives Zeichen, sozusagen als „Therapieerfolg“ werten. Dieses kann zur Verkennung und Vernachlässigung schwerer Komplikationen einer Erkrankung führen. Hinzu können Homöopathika bis zu einer Potenz von D 8 allergische Reaktionen hervorrufen. Gerade bei niedrigen Potenzen können die in der Homöopathie verwendeten Gifte (wie Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber), insbesondere bei Kindern, zu schweren Vergiftungen führen. Überprüfbare Wirkungsnachweise, insbesondere bezüglich onkologischer Therapien, liegen nicht vor.


Enzympräparate und Organotherapie (z.B. Thymusextrakt, Wobe-Mugos, Factor AF2)
Diese Präparate, die eine Stimulation des Immunsystems bewirken sollen, sind in der Regel sehr teuer. So kostet z.B. die monatlich empfohlene Wobe-Mugos Therapie, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, den Verbraucher ca. 300,– €. Eine Wirkung gegen bösartige Tumoren ist bisher nicht belegt worden. Eine schädliche Wirkung der Präparate ist bisher nicht nachweisbar, wobei zu bedenken ist, dass viele dieser Präparate von Rindern stammen und durchaus an der BSE-Übertragung beteiligt sein können.

Eigenbluttherapie
Hier wird dem Patienten zunächst Blut entnommen, dieses meist ein wenig mit

Sauerstoff versetzt und dann dem Patienten in den Muskel gespritzt. Diese Therapie, die bisher keinen Nutzen zeigte, kann bei chemotherapierten Patienten mit einer Thromobzytopenie und Leukopenie zu therapiebedürftigen Hämatomen oder Abszessen führen.

Eigenblutbehandlung mit „patienteneigenen“ Botenstoffen („Zytokine“)
Als Ausgangsstoff dient ebenfalls Blut des Patienten. Die Blutzellen sollen durch eine Behandlung im Labor zur Bildung eigener tumorhemmender Stoffe angeregt werden. Der Wirksamkeitsnachweis konnte bisher nicht vorgelegt werden. Die Kosten einer Behandlungsphase betragen ca. 1000,– €. In diesem Zusammenhang muss klargestellt werden, dass die Erteilung einer Herstellungserlaubnis durch die Behörden keine Bescheinigung der Wirksamkeit der Methode bedeutet.

Zudem möchten wir darauf hinweisen, dass i. m. Spritzen unter Chemotherapie ( Leukopenie, Thrombopenie ) zu erheblichen Komplikationen führen können ( Abszesse, Sepsis ) und ohne dringende Indikation vermieden werden sollten.


Sauerstofftherapie ( SMT ) (z.B. nach Manfred von Ardenne)
Hier besteht die Vorstellung, dass durch vermehrte Sauerstoffgabe die Tumorzellen geschädigt werden können, eine Vorstellung für die es aus der Sicht des zu behandelnden Patienten keinen Beleg für die Wirksamkeit gibt.

Interessanterweise liegt die Ausbildung für die SMT in den Händen der SMT-Gesellschaften und dauert nur einen Tag. Gefährlich ist die Anwendung der SMT für Patienten mit chronischem Sauerstoffmangel, da hier im Blut eine Kohlendioxidnarkose auftreten kann.


Ganzkörperhyperthermie
Das Prinzip der Ganzkörperhyperthermie beruht auf der in der Antike zurückführenden Vorstellung, dass Fieber krankmachende Substanzen im Körper verbrennt. Außerhalb der an den Universitätsklinken durchgeführten Hyperthermien, die stets in Kombination mit einer Chemotherapie erfolgen, ist die Fiebertherapie für Krebspatienten ungeeignet.


Mistelextrakte (z.B. Iscador®, Helixor®, Lektinol®)
Die Mistel wurde erstmals von dem Philosophen R. Steiner in die Krebsbehandlung auf der Ebene des Äther- und Astralleibes (nicht aber des physischen Leibes) eingeführt und stellt nach wie vor ein „medizinisches“ Heilmittel der Anthroposophen dar.

Aufgrund ihrer Popularität, geweckt durch umfangreiche Werbemaßnahmen und wegen ihrer beachtlichen Umsätze (20,71 Mio DM nach Arzneiverordnungsreport '94 für das Präparat Iscador®), verdienen Mistelextrakte gesonderte Betrachtung.

Trotz zahlreicher ausgeklügelter Werbemaßnahmen liegen zurzeit keine wissenschaftlich anerkannten Studien vor, die Hinweise für die Wirksamkeit der Mistel bzgl. der antitumoralen Wirkungen oder Verbesserung der Lebensqualität aufzeigen würden. Im Gegensatz dazu aber konnte in Untersuchungen, insbesondere von Gabius nachgewiesen werden, dass Mistel durchaus tumorwachstumsfördernde Wirkung über das sogenannte Interleukin-2-System besitzen kann. Hiervon betroffen sind vor allem die hämatologischen Erkrankungen, z. B. Lymphom oder Leukämien, Ovarialkarzinome und auch Mammakarzinome. Insbesondere sei darauf hingewiesen, dass die Wirkungsweise von Mistel auf dem mystischen Konzept ( = Gleiches bewirkt Gleiches ) beruht ( Mistel ist ein Schmarotzer = Krebs ist ein Schmarotzer, also hilft Mistel gegen Krebs ). Von dem Einsatz von Mistelpräparaten kann also nur gewarnt werden.

Da der Markt von sogenannten alternativ wirksamen Medikamenten überschwemmt wird, sollte der Patient stets dazu aufgefordert werden diese Medikamente kritisch zu überprüfen.

Der Onkologe Prof. Dr. med. Ulrich Kleeberg, hämatologisch-onkologische Praxis Altona ( HOPA ), Mörkenstr. 47, 22767 Hamburg, hat hierzu zehn Regeln entworfen, die in folgenden abgedruckt sind:


Zehn Indizien für Quacksalberei

Der Verdacht wird umso wahrscheinlicher, je mehr der Beschreibungen zutreffen.

Die Methode bzw. ein Produkt….
- …..wird durch Hinweise auf exotische Herkunft interessant gemacht.
- …..soll Heilung bringen, wenn Schulmedizin in auswegloser Situation versagt.
- …..soll durch umfangreiche Erfahrungen „untermauert“ sein, ohne dass nachvollziehbare Daten aus kontrollierten, klinischen Studien zugänglich gemacht werden.
- …..soll gegen die Vielzahl verschiedener Erkrankungen, die nichts miteinander zu tun haben, universell wirksam sein.
- …..soll regelmäßig zum Erfolg führen, wobei Misserfolge der Schulmedizin angelastet werden.
- …..ist an einzelnen Personen bzw. Institutionen gebunden, die die Therapie entwickelt haben und daran verdienen.
- …..soll keine Nebenwirkungen haben oder die Nebenwirkungen von Verfahren der Schulmedizin reduzieren oder aufheben.
- …..ist kompliziert, so dass Misserfolge auf Anwendungsfehler zurückgeführt werden.
- …..soll schon seit Jahren / Jahrzehnten verwendet werden, ohne offiziell anerkannt zu sein.
- …..ist den Behauptungen zufolge so gut, dass unverständlich bleibt, warum keine Zulassung als Arzneimittel existiert.